Mittelbach - ein kleiner Ort am Rande des Erzgebirges

(Auszüge aus der Ortschronik von Mittelbach)

In dieser kleinen Abhandlung, die ich aus verschiedenen Dokumenten teilweise wörtlich übernommen habe, sind Abhandlungen zu den Themen
  • Freiwillige Feuerwehr,
  • dem Postwesen,
  • Geschichte der Eisenbahn,
  • dem Oberen Gasthof,
  • dem Unteren Gasthof,
  • zur ersten Landvermessung,
  • zu den Anfängen der Industrie in Mittelbach,
  • zur Kirchengeschichte in Mittelbach,
  • zur Bildung von Straßen

  • entstanden, die hier in loser Folge aufgefürt sind. Einige Ereignisse ließen sich nicht kategorisieren und sind deslhalb unter der Überschrift
  • sonstige Ereignisse, Wetterunbilden, Unglücke und Katastrophen

  • beschrieben. Für die Richtigkeit wird keine Garantie übernommen. Kritik und Hinweisen stehe ich HIER sehr aufgeschlossen gegenüber. 

    Der Beginn der Eisenbahngeschichte in Mittelbach

    Im März 1857 wurden die Grundstücke für die Eisenbahnlinie Wüstenbrand - Lugau abgetrennt, der Bau erfolgte in den Jahren 1857/1858, der Ausführende war der Unternehmer Schumann, der später in Chemnitz ein Kohlen- und Speditionsgeschäft gründete. Die Eröffnung dieser Bahn geschah im Jahre 1858, für Mittelbach war dies aber kein Anlaß zu einer Feierlichkeit, denn als die Züge zum ersten Mal verkehrten, fuhren sie ohne Halt an Mittelbach vorbei. Anfangs fuhren nur Kohlenzüge, und zwar an jedem Tag zwei Zugpaare. Erst später wurde auch Personenbeförderung eingeführt, indem man den Kohlenzügen einige Personenwagen anhängte und sie zu gemischten Zügen machte. Die Haltestelle erhielt Mittelbach aber erst am 1. Mai 1896, als mit der Zeit die Bremsvorrichtungen vollkommener geworden waren. Die Eröffnung der Haltestelle feierte man insofern als mehrere Einwohner die erste Fahrt mitmachten und das Zugpersonal, auch das der Güterzüge, die an diesem Tage ausnahmsweise hielten, an der Haltestelle mit Bier bewirtet wurden. Im Laufe der Zeit waren auch Personenzüge eingeführt worden, die außer den Kohlenzügen verkehrten.Die Bahn, ursprünglich Eigentum einer Privatgesellschaft, ging dann in den Besitz des Staates über.

    Straßen von Mittelbach

    Im Jahre 1877 wurde die heutige Grünaer Straße verbreitert und ausgebaut, bis dahin war sie nur ein einfacher Verbindungsweg von schlechter Beschaffenheit. Auch ihre Verbindung vom Dorfweg zur Landstraße, die sogenannte Kühnert-Gasse, wurde verbreitert und vollkommen neu hergestellt. Ursprünglich hatte man die Absicht, diese neue Straße in gerader Linie nach Grüna verlaufen zu lassen, aber dieser Plan fand nicht die nötige Unterstützung, scheiterte namentlich am Widerstand der Gemeinde Grüna. So blieb denn die Straße in ihrem Laufe so wie sie bisher gewesen war. Barthels Weg folgend bis zum sogenannten Hofweg oder Querweg, wie er auch genannt wurde, dann mit scharfer Kurve in diesen einbiegend mit Richtung auf die Wiesenmühle zu. Die eine Hohlwegstrecke, in der Nähe der jetzigen Hähleschen Fabrik, wurde aufgefüllt und abgeebnet, während man die andere hohle Strecke an der Grünaer Grenze umging und rechts liegen ließ. Später wurde sie auch aufgefüllt. Zum Ausbau der Straße erhielt die Gemeinde Mittelbach eine Staatliche Beihilfe, für den Rest der Kosten nahm sie ein tilgbares Darlehen in Höhe von 10.000 Mark auf, das im Jahre 1920 ablief. Das Gestrüpp, das an der Grünaer Grenze stand und sich am Wiesenmühlenteiche vorbei im Grunde hinzog als Rest eines Waldes, der ehedem zwischen Mittelbach und Grüna stand, verschwand auch mit der Zeit völlig.

    In den Jahre 1921 bis 1923 wurde die Staatsstraße, soweit sie durch Mittelbach führt, mit Steinen gepflastert. Damit hörten die unangenehmen Staubwolken auf, die der Wind und der zunehmende Autoverkehr emporwirbelten. In den Monaten April bis Juni 1929 wurde dann die Staatsstraße vom Rathaus ab bis zum Gasthof auch noch verbreitert und beiderseitig mit Bordsteigen versehen. Im Herbst 1928 war bereits die sogenannte "Neubertgasse" (Querstraße) als Straße mit Fußsteig neu ausgebaut worden


    Landvermessung

    Als die Staatsregierung eine allgemeine Landvermessung ins Auge faßte, suchte die Gemeinde Mittelbach darum nach, daß ihre Fluren mit zuerst vermessen werden möchten. So kam es, daß im Jahre 1877 der Regierungsgeometer Zschocke aus Dresden mit der Vermessung dieser Fluren beauftragt wurde. Als Gehilfe gab ihm die Gemeinde den Kellner Otto Blüher mit. Auf Grund dieser Vermessung wurde die Einzelnen Flurstücke im Jahre 1885 mit neuen Nummern versehen (Flurbuch-Parzellen).

    Kultur und Gastlichkeit (Teil 1) - Der untere Gasthof

    Am 1. Januar 1878 übernahm Julius Eckert, den bisherige Uhlig'schen (unteren) Gasthof. Da er das Bestreben hatte, den etwas veralteten Gasthof zu verschönern, ließ er einen neuen größeren Saal wieder erstehen. Auch baute er die Fleischerei mit ein, die sich vordem im Nebengebäude jenseits der Straße befunden hatte. Vom Lehngericht kaufte er den angrenzenden großen Grasgarten hinzu und baute ihn zu einem Konzertgarten mit Terasse, Veranda, Kegelbahn und anderen Belustigungen aus. So wurde der Gasthof bald allgemein bekannt und der Name "Eckerts Gasthaus" ein Begriff, wie die vielen Ausflügler bewiesen. Im Jahre 1912 verkaufte Eckert den Gasthof an Richter und als dieser starb, ging der Gasthof in den Besitz der Familie Schönfelder über (1919). Im Jahre 1929 feierte man sein 100-jähriges Bestehen, eine über dem Eingang hell strahlende 100 wies in sinniger Weise auf das Jubiläum hin. Auf 100 Jahre konnte er in diesem Jahre insofern zurückblicken, als nach dem großen Brande des Lehngerichtes am 8. Mai 1829 das Schankhaus neu errichtet wurde als heutiger Gasthof, die Schankgerechtigkeit war ja bekanntlich früher ein Privileg des Lehngerichts gewesen. Auch der alte Tanzsaal, wie er bis zu Eckert Erneuerung bestanden hatte, war 1829 errichtet worden.

    Kultur und Gastlichkeit (Teil 2) - Der obere Gasthof

    Ein Kapitel für sich in unserer Ortsgeschichte bildet auch der "obere Gasthof". Ursprünglich war er ein Bauerngut, nämlich das 1/4-Hufengut Nr. 47 (jetzt 61c), am Wege nach Ursprung gelegen. Dieses gehörte seit 1802 Christian Friedrich Schindler, seit 1833 dessen Sohn Friedrich Wilhelm Ferdinand Schindler, dem im Jahre 1839 die Konzession zum Ausschank von Bier und Branntwein erteilt wurde. Für diesen Zweck errichtete er noch im gleichen Jahre ein neues Gebäude an der Straße das jetzige Gasthofsgebäude Nr. 61. Einen vorher an der selben Stelle stehenden Schuppen hatte er auf Walzen weiter herein rücken lassen. Da er gleichzeitig auch die Berechtigung zur Ausspannung, zur Übernachtung von Gästen und zur Abhaltung von Tanzmusik erhielt, bürgerte sich der Name "Oberer Gasthof" allgemein ein, zum Unterschied vom Lehngerichts-Gasthof, dem "unteren Gasthof". Das Schicksal des Gasthofs war mannigfaltig, Besitzer und Pächter wechselten oft in bunter Folge. Schindler verkaufte ihn bald, da ihm die Frau starb. Sein Nachfolger war Quinger (???), der die Bewirtschaftung viele Jahre betrieb, bis etwa 1857; er erbaute auch um 1845 etwa die schräg gegenüber stehende Ziegelei, die allerdings 40 Jahre später wieder einging. Der nächste Besitzer war Mediger, ein Bauunternehmer, der, als die Bahn Wüstenbrand-Lugau gebaut wurde, den Bau der sämtlichen Bahnwärterhäuschen an dieser Strecke ausführte. Die Ziegelei dürfte ihm dabei wahrscheinlich sehr zu Statten gekommen sein. Allzu lange hat Mediger den Gasthof nicht behalten, er verkaufte ihn an Hermann Kranz, der nicht gerade gut gewirtschaftet zu haben scheint, denn 1866 mußte er den ganzen Gasthof in den Besitz des Stollberger Kreditvereins übergehen lassen. Dieser vergrößerte das Gasthofsgebäude durch einen Anbau und verpachtete die Schankwirtschaft und das Feld nacheinander an Thieme, Wendler, Wolf, Graichen, Billing, während er den Ziegeleibetrieb an Traugott Naumann in Pacht gab, der ihn seinem Schwiegersohn Ferdinand Müller überließ. Im Jahre 1872 nahm der Stollberger Kreditverein eine Aufteilung des Grundbesitzes vor, indem er viele kleine Flurstücke an die Nachbarbesitzer verkaufte, die Ziegelei aber mit 7 Scheffel Feld an den bisherigen Pächter Müller. Eine solche Zerreissung des Grundbesitzes wäre in früherer Zeit nicht möglich gewesen, denn früher durfte von einem Grundstück nur mit behördlicher Konzession etwas abgetrennt werden. Den Gasthof selbst verkaufte der Stollberger Kreditverein im Jahre 1874 an Bock aus Oberlungwitz, der 1878 noch 15 Scheffel Feld an die Ziegelei abtrat und dann den Gasthof, für den nur noch der Grasgarten und etwa 4 Scheffel Feld übrig geblieben waren, an Wagler weiter verkaufte. Nach Wagler, der ihn nur zwei Jahre (1878-1880) im Besitz hatte, trat Moritz Großer als Besitzer auf, nämlich 1880-1884. Dieser besaß zugleich auch das ehemals Gottfried Künzel'sche Gut (Nr. 41 ??), er nahm von diesem Gute 22 Scheffel Feld und fügte sie der Gasthofswirtschaft wieder zu. Freilich trenne er nun den Gasthof endgültig von der Gutswirtschaft ab, indem er den Gasthof verkaufte und nur das Gut allein behielt, welches er später gegen ein Gut in Rußdorf eintauschte. Auf diese Weise wurde aus dem einstigen 1/4 Hufengut ein dreifaches: der Gasthof (Nr. 61), die Gutswirtschaft mit dem neuen Felde (Nr. 61 c) und die Ziegelei (Nr. 62). Doch sprechen wir zunächst vom Gasthof. Großers Nachfolger als Gastwirt war Anke, der am 13. Januar 1885 seinen Einzugsschmaus hielt. Er baute einen Backofen und begründete damit die noch heute im oberen Gasthof bestehende Bäckerei. Lange hat auch Anke den Gasthof nicht behalten, denn 1888, freilich nur auf ganz kurze Zeit, tauchte Ullrich als Besitzer auf, und gleich nach ihm Günther (Juli 1888). Dieser setzte wieder Pächter ein, so z.B. Eichler (1891), Wenzel (1893). Im Jahre 1897 verkaufte er den Gasthof an Peter, auf den schon ein Jahr später, 1898, Lindner folgte. Mit diesem Besitzer traten wieder stabile Verhältnisse ein. Günstig wirkte sich vor allem die Eröffnung der Eisenbahnhaltestelle am 1. Mai 1896 aus, denn nunmehr war die Fahrkartenausgabe mit dem Gasthof verbunden und seit dem 1. August 1904 auch die Abfertigung des Stückgutverkehrs. Der Gasthof blieb nun im Besitz der Familie Lindner, denn auf Lindner selbst folgte 1908 sein Schwiegersohn Kretzschmar, und als dieser 1921 starb, dessen Frau Anna verw. Kretzschmar, die Tochter Lindners (gest. 1961). Der obere Gasthof stand in den sechziger und siebziger Jahren in schöner Blüte, regelmäßig hielt er Tanzmusik ab, alljährlich auch ein Vogelschießen, und auch die Turner hatten in damaliger Zeit dort ihren Turnplatz, nämlich an jener Stelle wo heute die Gebäude des Gutes Nr. 61 C stehen; am Turnplatz längs der Straße befand sich eine Kegelbahn. Man suchte den oberen Gasthof gern auf, zumal Bock im Jahre 1874 den Saal vergrößerte, dagegen war damals für den unteren Gasthof eine ruhige Zeit. Das Vogelschießen war damals ein Volksfest, das der Wirt veranstaltete. Die Berechtigung dazu hatte der damalige Amtmann Friedrich erteilt mit den Worten: "So lange der Gasthof steht, besteht mit ihm auch das Vogelschießen". Dennoch brachten es die Zeiten anders mit sich. Auch in späteren Jahren hat der obere Gasthof noch öfter sein Vogelschießen abgehalten, zuletzt 1893 und 1899, aber dann überlebte sich dieses Vergnügen allmählich. Auf dem damaligen Schützenplatze steht heute die Fabrik von Lorenz Nr. 62 E. Geschossen wurde mit Bolzen nach einem Vogel aus Holz, der an einer hohen Stange befestigt war. Dabei ereignete es sich 1875, daß ein Junge von einem abirrenden Bolzen am Kopfe verletzt wurde, so daß beinahe das schöne Fest untersagt worden wäre uznd nur nach getroffenen Sicherheitsmaßregeln am Nachmittag wieder gestattet wurde. In den späteren Jahren verstand es dann Julius Eckert durch seine Erneuerung des unteren Gasthofes, den Verkehr mehr nach dort zu ziehen, so daß der obere Gasthof allmählich von seinem vorherigen Glanze einbüßte.

    Das Postwesen im 19./20. Jahrhundert

    Das ereignisreiche Jahr 1889 brachte noch eine andere wichtige Neuerung, und zwar im Postwesen. Bis dahin nämlich war Mittelbach ein Landbestellbezirk des Postamtes Grüna. Am 1. April 1889 jedoch erhielt es eine eigene Postagentur. Als Postagent wurde Oskar Türk berstellt, in dessen Hause Nr. 17 sich auch die für den Postverkehr notwendigen Räme fanden. Als am Eröffnungstage morgens die erste Post aus Grüna eintraf, wurde sie mit Musik empfangen und vor dem Eingange zur Postagentur mit einer Ansprache begrüßt. Die Beförderung des Postgutes zwischen Mittelbach und Grüna besorgte ein Briefträger mit Handwagen. Später, als der paketverkehr durch das Aufblühen der Industrie erheblich zunahm, genügte dies freilich nicht mehr. Es mußte ein Pferdegespann eingesetzt werden.
    Seit Januar 1929 aber brachte ein Postauto aus Chemnitz die Postsachen der Gegend jeden Abend direkt nach Chemnitz zum Bahnpostamt, es verkehrte regelmäß bis März 1945 wo infolge des zunehmenden Bombenkrieges alle postalischen Verbindungen allmählich lahmgelegt wurden. Die eingehende Post wurde anfangs in zwei Briefaustragungen bestellt, später kam noch eine dritte hinzu (mittags), die aber 1914 bei Ausbruch des Krieges wieder wegfiel. Bei dem Beamtenabbau 1922 wurde auch die Nachmittagaustragung eingestellt, so daß es seitdem nur bei einer blieb.
    Der Postagent Türk konnte am 1. April 1929 sein 40. und am 1. April 1939 sogar noch sein 50. Dienstjubiläum in voller Rüstigkeit feiern. Er legte aber sein Amt dann bald nieder. Auch die Räume hatten sich für die immer mehr gesteigerten Anforderungen als zu klein erwiesen, daher siedelte der Postbetrieb am 1. Oktober 1942 in die neuen Räume im Hause 20 B gegenüber dem Rathaus über, in denen vordem sich das im Kriege eingegangene Rathaus-Kaffee (seit 1828) befunden hatte.

    Die Freiwillige Feuerwehr

    Im Jahre 1878 wurden mehrere neue Häuser gebaut, darunter auch von Friedrich Böhm ein Wohnhaus mit Scheune am wüsten Viertel beim Landgraben. Es ist jetzt das Gehöft Nr. 158.
    Am 1. April 1878 brannten im oberen Dorfe Wohnhaus und Scheune vom Vogel'schen Gute ab, die Gebäude wurden schon im Juli wieder aufgesetzt. Dieses Feuer bildete die Veranlassung dazu, daß sich 20 Mann zusammenfanden und die "freiwillige Feuerwehr" gründeten (21. April).
    Diese bekam auch bald reichlich Gelegenheit, sich zu betätigen, erst beim schon erwähnten Brand des Karte'schen Gute Nr. 20, dann am 23. März 1881, als das Haus von Dienegott Köhler, Nr. 102, abbrannte. Aber es folgten bald weitere Feuerbrünste. So gingen am 3. März 1883 abends in der zehnten Stunde die Gebäude vom Beyer-Gut, Nr. 29, in Flammen auf. Dieses Gut stand bis dahin dicht neben dem jetzigen Pfarrhause, also der Kirche gegenüber, an der Stelle des heutigen Doppelhauses. Noch im gleichen Sommer wurde das Gut neu errichtet, jedoch auf der Höhe hinter dem Friedhofe. Heute ist es das Beigut zum Lehngericht. Ferner brannte am 12. November 1884 beim Begüterten Gläser, Nr. 11, Scheune und Seitengebäude ab, das Wohnhaus blieb erhalten. Dabei versuchte man auch einen Spiegel zu retten, den man einfach zum Fenster herunterwarf, das Glas ging dabei natürlich in Splitter. Schließlich legte am 14. November 1887 ein Feuer beim Schmied Anton Neubert, Nr. 89, die erst 1856 erbaute Scheune in Asche.

    Industrie in Mittelbach

    Die Ziegelei bestand aus einem Wohnhause, aus dem Brennofen und aus drei Ziegelscheunen, beschäftigte mehrere Leute und belieferte die ganze Umgegend mit Ziegeln. Als die Ziegelbereitung in ihrer Technik durch Einführung neuer Maschinen immer mehr vervollkommnet wurde, konnte diese Ziegelei mit ihren "Handziegeln" nicht mehr bestehen und ging als solche ein. Die eine Ziegelscheune verschwand vollständig, die beiden anderen wurden zu Wirtschaftsscheunen umgebaut. Dort aber, wo sich einst der Brennofen befand, steht jetzt das Haus Nr. 62 D. Nach dem Einstellen des Ziegeleibetriebes wechselten auch oft die Besitzer, die Felder verwahrlosten, so schwand das Vertrauen zu einem solchen Besitz. Im Jahre 1904 kaufte Emil Lasch dieses Besitztum; er brachte die von Unkraut überwucherten Felder wieder in ertragfähigen Zustand und verstand es, das Anwesen, das er noch heute besitzt, wieder zu heben.

    Eine zweite Ziegelei befand sich im unteren Ortsteile, auf dem Grundstück des Gutes Nr. 8, ihr Besitzer war Ferdinand Türk. Sie stand im ersten Grund, seitwärts vor jenem Teich, von dem aus der Mühlgraben nach der damaligen Schettlermühle lief. Sie wurde 1855 von Türk errichtet und bestand aus einem Wohnhaus, Nr. 155, mit angebautem Brennofen und zwei Ziegelscheunen. Sie beschäftigte ebenfalls mehrere Leute und lieferte ebenfalls die Ziegel zum Bau der Schächte. Sie bestand nur etwa 25 Jahre und verschwand wieder um das Jahr 1880 aus dem gleichen Grunde wie die Ziegelei beim oberen Gasthofe. Von ihr ist heute ebenso wenig zu sehen wie vom Mühlgraben und der Mühle.


    Kirchengeschichte in Mittelbach

    Wenden wir unser Augenmerk nun ... einmal der Kirche zu. Zunächst war Luthers 400. Geburtstag auch in Mittelbach in würdiger Form gefeiert worden, und zwar am 10. und 11. November 1883. Dabei war rechts am Eingange zum Friedhof eine Linde, die Lutherlinde, gepflanzt worden, wobei der Geistliche eine Ansprache hielt. Dann erklang der Choral "Ein feste Burg ist unser Gott". Die Linde ging leider im folgenden Jahre ein. Ferner wurde am 1. April 1884 das Morgenläuten eingeführt; im Sommer um 6 Uhr, im Winter um 7 Uhr. Am Palmsonntag (18. April 1886) beim Abendgottesdienst mit Abendmahlfeier wurden zwei neue Kirchenleuchter eingeweiht, die man für 80 Mark hatte aus Leipzig kommen lassen. Eine wichtige Veränderung aber brachte das Jahr 1889. War bis dahin Mittelbach ein Filial von Reichenbrand gewesen, so wurde mit dem 1. Januar 1889 Mittelbach zu einer selbständigen Parodie erhoben, erhielt nunmehr also seinen eigenen Pfarrer. Die Hilfsgeistlichen, die noch zuvor von Reichenbrand aus den Gottesdienst in Mittelbach versahen, hatten in den letzten Jahren öfters gewechselt, so folgten auf Diakonus Brödel 1883 Wolf (1883-1884), Diakonus Hohlfelt (1884-1888), Diakonus Rein (1888-1889). Wer war nun der erste selbständige Pfarrer von Mittelbach? Drei Bewerber wurden zur Wahl gestellt und hielten ihre Probepredigten, nämlich Gerisch aus Bräunsdorf am 13. Januar, Hüttner aus Dresden am 20. Januar und Vikar Müller am 27. Januar. Die Wahl fiel auf den zweiten Bewerber und so wurde Hüttner zum ersten Ortsgeistlichen gewählt. Am 27. Februar 1889 hilet er seinen Einzug und wurde mit Wagen vom Bahnhof Siegmar abgeholt, am Eingange des Dorfes vom Gemeindevorstand und am Eingange zur Schule, wo er einstweilen Wohnung nahm, vom Kirchenvorstand begrüßt. Abends fand ihm zu Ehren ein Komers statt. Am 4. März wurde er in sein Amt eingewiesen. Der Pfarrer Koch aus Reichenbrand, dessen Amtstätigkeit für Mittelbach nun erlosch, hatte bereits am 24. Februar seine Abschiedspredigt gehalten, sein Hilfsgeistlicher, Diakonus Rein, der später Pfarrer in Reichenbrand wurde, bereits am 17. Februar. Der Pfarrer Hüttner blieb nur sechs Jahre in Mittelbach, er ging 1895 nach Jöhstadt. Seine Nachfolger waren die Pfarrer Auerswald (1895-1902), Schmalz (1902-1908), Hartung (1908-1926) (er starb am 30. Dezember 1926) und Kupfer (1928-????).

    sonstige Ereignisse, Wetterunbilden, Unglücke und Katastrophen

    Am 26. Februar 1879 fiel so viel Schnee, daß am Landgraben der Lugauer Kohlenzug stecken blieb. Man mußte erst Leute holen, den Schnee zu beseitigen, bevor der Zug seine Fahrt fortsetzen konnte.

    Am 16. Februar 1880 wurde Reibetanz als dritter Lehrer in sein Amt eingewiesen, der bisherige dritte Lehrer Donner ging nach Lommatzsch.

    Am 25. Juni 1881 nachts erschien am nördlichen Himmel ein Komet mit silberweißen Streifen. Ein anderer Komet war in den Morgenstunden des 8. bis 12. Oktober 1882 am östlichen Himmel zu sehen.

    Im Sommer 1881 wurde eine Verbindung zwischen dem oberen Ende des Dorfweges, der bei den Häusern Nr. 73 und 74 in einen toten Punkt auslief, und der Landstraße geschaffen; dieses neu geschaffene Wegstück wurde am 2. Januar 1882 feierlich dem Verkehr übergeben. Im Herbst 1881 ließ der Gemeindevorstand C.F. Vieweg vom Quellengebiet des damals Rother'schen Gutes Nr. 41 aus eine Wasserleitung in eisernen Röhren nach seinem neu erbauten Haus Nr. 17 C legen. Diese Leitung wurde später, mit der im Jahre 1914 eingerichteten allgemeinen Wasserleitung vereinigt.

    Der Gemeindevorstand Carl Friedrich Vieweg übergab am 14. Mai 1882 das Standesamt an Rudolf Neubert, damals bekannt unter dem Namen "der Schütz". Dieser hat das Standesamt nur 2 1/2 Jahre verwaltet, denn am 1. Dezember 1884 übernahm es der neue Gemeindevorstand, Lehngerichtsbesitzer G.A. Otto, wieder mit in die Gemeindeverwaltung. Dieser war am 1. Januar 1884 als Gemeindevorstand der Nachfolger von C.F. Vieweg geworden, der sein Amt neun Jahre verwaltet hatte.

    In der Sandgrube des Kunz'schen Gutes Nr. 32 verunglückte am 1. August 1883 nachmittags die 17-jährige Dienstmagd. Sie wurde von einer einstürzenden Sandschicht verschüttet und getötet. Ein anderer bedauerlicher Unfall mit tödlichem Ausgange ereignete sich am 26. Mai 1886 abends in der achten Stunde, als einem Mehlfuhrmann beim Bahnübergange die Pferde durchgingen, wobei ein zufällig mitfahrender 30 jähriger Mann aus Neustadt vom Wagen fiel und unter die Räder kam. Er wurde schwer verletzt ins Armenhaus gebracht und starb nach einigen Stunden.

    Eine von Ursprung kommende Windhose beschädigte am 30. April 1887 den Giebel einer Scheune beim oberen Gasthofe.

    Mitte Oktober des Jahres 1890 wurde das Kabel Dresden-München durch Mittelbach gelegt. Aus diesem Anlaß tauchten viele Erdarbeiter auf, meist aus Polen, Schlesien oder Böhmen.

    Bei dem Begüterten Müller, Nr. 141, brannte am 15. Juni 1891 und bei Julius Berger, Nr. 8, am 21. Februar 1892 die Scheune nieder.


    Wird fortgesetzt !!!!
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    © h.kreil 1998