Mittelbach - ein kleiner Ort am Rande des Erzgebirges
(Auszüge aus der Ortschronik von Mittelbach)
In dieser kleinen Abhandlung, die ich aus verschiedenen Dokumenten teilweise
wörtlich übernommen habe, sind Abhandlungen zu den Themen
Freiwillige Feuerwehr,
dem Postwesen,
Geschichte der Eisenbahn,
dem Oberen Gasthof,
dem Unteren Gasthof,
zur ersten Landvermessung,
zu den Anfängen der Industrie in Mittelbach,
zur Kirchengeschichte in Mittelbach,
zur Bildung von Straßen
entstanden, die hier in loser Folge aufgefürt sind. Einige Ereignisse
ließen sich nicht kategorisieren und sind deslhalb unter der Überschrift
sonstige Ereignisse, Wetterunbilden, Unglücke und
Katastrophen
beschrieben. Für die Richtigkeit wird keine Garantie übernommen.
Kritik und Hinweisen stehe ich HIER
sehr aufgeschlossen gegenüber.
Der Beginn der Eisenbahngeschichte in Mittelbach
Im März 1857 wurden die Grundstücke für die Eisenbahnlinie
Wüstenbrand - Lugau abgetrennt, der Bau erfolgte in den Jahren 1857/1858,
der Ausführende war der Unternehmer Schumann, der später in Chemnitz
ein Kohlen- und Speditionsgeschäft gründete. Die Eröffnung
dieser Bahn geschah im Jahre 1858, für Mittelbach war dies aber kein
Anlaß zu einer Feierlichkeit, denn als die Züge zum ersten Mal
verkehrten, fuhren sie ohne Halt an Mittelbach vorbei. Anfangs fuhren nur
Kohlenzüge, und zwar an jedem Tag zwei Zugpaare. Erst später
wurde auch Personenbeförderung eingeführt, indem man den Kohlenzügen
einige Personenwagen anhängte und sie zu gemischten Zügen machte.
Die Haltestelle erhielt Mittelbach aber erst am 1. Mai 1896, als mit der
Zeit die Bremsvorrichtungen vollkommener geworden waren. Die Eröffnung
der Haltestelle feierte man insofern als mehrere Einwohner die erste Fahrt
mitmachten und das Zugpersonal, auch das der Güterzüge, die an
diesem Tage ausnahmsweise hielten, an der Haltestelle mit Bier bewirtet
wurden. Im Laufe der Zeit waren auch Personenzüge eingeführt
worden, die außer den Kohlenzügen verkehrten.Die Bahn, ursprünglich
Eigentum einer Privatgesellschaft, ging dann in den Besitz des Staates
über.
Straßen von Mittelbach
Im Jahre 1877 wurde die heutige Grünaer Straße verbreitert und
ausgebaut, bis dahin war sie nur ein einfacher Verbindungsweg von schlechter
Beschaffenheit. Auch ihre Verbindung vom Dorfweg zur Landstraße,
die sogenannte Kühnert-Gasse, wurde verbreitert und vollkommen neu
hergestellt. Ursprünglich hatte man die Absicht, diese neue Straße
in gerader Linie nach Grüna verlaufen zu lassen, aber dieser Plan
fand nicht die nötige Unterstützung, scheiterte namentlich am
Widerstand der Gemeinde Grüna. So blieb denn die Straße in ihrem
Laufe so wie sie bisher gewesen war. Barthels Weg folgend bis zum sogenannten
Hofweg oder Querweg, wie er auch genannt wurde, dann mit scharfer Kurve
in diesen einbiegend mit Richtung auf die Wiesenmühle zu. Die eine
Hohlwegstrecke, in der Nähe der jetzigen Hähleschen Fabrik, wurde
aufgefüllt und abgeebnet, während man die andere hohle Strecke
an der Grünaer Grenze umging und rechts liegen ließ. Später
wurde sie auch aufgefüllt. Zum Ausbau der Straße erhielt die
Gemeinde Mittelbach eine Staatliche Beihilfe, für den Rest der Kosten
nahm sie ein tilgbares Darlehen in Höhe von 10.000 Mark auf, das im
Jahre 1920 ablief. Das Gestrüpp, das an der Grünaer Grenze stand
und sich am Wiesenmühlenteiche vorbei im Grunde hinzog als Rest eines
Waldes, der ehedem zwischen Mittelbach und Grüna stand, verschwand
auch mit der Zeit völlig.
In den Jahre 1921 bis 1923 wurde die Staatsstraße, soweit sie
durch Mittelbach führt, mit Steinen gepflastert. Damit hörten
die unangenehmen Staubwolken auf, die der Wind und der zunehmende Autoverkehr
emporwirbelten. In den Monaten April bis Juni 1929 wurde dann die Staatsstraße
vom Rathaus ab bis zum Gasthof auch noch verbreitert und beiderseitig mit
Bordsteigen versehen. Im Herbst 1928 war bereits die sogenannte "Neubertgasse"
(Querstraße) als Straße mit Fußsteig neu ausgebaut worden
Landvermessung
Als die Staatsregierung eine allgemeine Landvermessung ins Auge faßte,
suchte die Gemeinde Mittelbach darum nach, daß ihre Fluren mit zuerst
vermessen werden möchten. So kam es, daß im Jahre 1877 der Regierungsgeometer
Zschocke aus Dresden mit der Vermessung dieser Fluren beauftragt wurde.
Als Gehilfe gab ihm die Gemeinde den Kellner Otto Blüher mit. Auf
Grund dieser Vermessung wurde die Einzelnen Flurstücke im Jahre 1885
mit neuen Nummern versehen (Flurbuch-Parzellen).
Kultur und Gastlichkeit (Teil 1) - Der untere Gasthof
Am 1. Januar 1878 übernahm Julius Eckert, den bisherige Uhlig'schen
(unteren) Gasthof. Da er das Bestreben hatte, den etwas veralteten Gasthof
zu verschönern, ließ er einen neuen größeren Saal
wieder erstehen. Auch baute er die Fleischerei mit ein, die sich vordem
im Nebengebäude jenseits der Straße befunden hatte. Vom Lehngericht
kaufte er den angrenzenden großen Grasgarten hinzu und baute ihn
zu einem Konzertgarten mit Terasse, Veranda, Kegelbahn und anderen Belustigungen
aus. So wurde der Gasthof bald allgemein bekannt und der Name "Eckerts
Gasthaus" ein Begriff, wie die vielen Ausflügler bewiesen. Im Jahre
1912 verkaufte Eckert den Gasthof an Richter und als dieser starb, ging
der Gasthof in den Besitz der Familie Schönfelder über (1919).
Im Jahre 1929 feierte man sein 100-jähriges Bestehen, eine über
dem Eingang hell strahlende 100 wies in sinniger Weise auf das Jubiläum
hin. Auf 100 Jahre konnte er in diesem Jahre insofern zurückblicken,
als nach dem großen Brande des Lehngerichtes am 8. Mai 1829 das Schankhaus
neu errichtet wurde als heutiger Gasthof, die Schankgerechtigkeit war ja
bekanntlich früher ein Privileg des Lehngerichts gewesen. Auch der
alte Tanzsaal, wie er bis zu Eckert Erneuerung bestanden hatte, war 1829
errichtet worden.
Kultur und Gastlichkeit (Teil 2) - Der obere Gasthof
Ein Kapitel für sich in unserer Ortsgeschichte bildet auch der "obere
Gasthof". Ursprünglich war er ein Bauerngut, nämlich das 1/4-Hufengut
Nr. 47 (jetzt 61c), am Wege nach Ursprung gelegen. Dieses gehörte
seit 1802 Christian Friedrich Schindler, seit 1833 dessen Sohn Friedrich
Wilhelm Ferdinand Schindler, dem im Jahre 1839 die Konzession zum Ausschank
von Bier und Branntwein erteilt wurde. Für diesen Zweck errichtete
er noch im gleichen Jahre ein neues Gebäude an der Straße das
jetzige Gasthofsgebäude Nr. 61. Einen vorher an der selben Stelle
stehenden Schuppen hatte er auf Walzen weiter herein rücken lassen.
Da er gleichzeitig auch die Berechtigung zur Ausspannung, zur Übernachtung
von Gästen und zur Abhaltung von Tanzmusik erhielt, bürgerte
sich der Name "Oberer Gasthof" allgemein ein, zum Unterschied vom Lehngerichts-Gasthof,
dem "unteren Gasthof". Das Schicksal des Gasthofs war mannigfaltig, Besitzer
und Pächter wechselten oft in bunter Folge. Schindler verkaufte ihn
bald, da ihm die Frau starb. Sein Nachfolger war Quinger (???), der die
Bewirtschaftung viele Jahre betrieb, bis etwa 1857; er erbaute auch um
1845 etwa die schräg gegenüber stehende Ziegelei, die allerdings
40 Jahre später wieder einging. Der nächste Besitzer war Mediger,
ein Bauunternehmer, der, als die Bahn Wüstenbrand-Lugau gebaut wurde,
den Bau der sämtlichen Bahnwärterhäuschen an dieser Strecke
ausführte. Die Ziegelei dürfte ihm dabei wahrscheinlich sehr
zu Statten gekommen sein. Allzu lange hat Mediger den Gasthof nicht behalten,
er verkaufte ihn an Hermann Kranz, der nicht gerade gut gewirtschaftet
zu haben scheint, denn 1866 mußte er den ganzen Gasthof in den Besitz
des Stollberger Kreditvereins übergehen lassen. Dieser vergrößerte
das Gasthofsgebäude durch einen Anbau und verpachtete die Schankwirtschaft
und das Feld nacheinander an Thieme, Wendler, Wolf, Graichen, Billing,
während er den Ziegeleibetrieb an Traugott Naumann in Pacht gab, der
ihn seinem Schwiegersohn Ferdinand Müller überließ. Im
Jahre 1872 nahm der Stollberger Kreditverein eine Aufteilung des Grundbesitzes
vor, indem er viele kleine Flurstücke an die Nachbarbesitzer verkaufte,
die Ziegelei aber mit 7 Scheffel Feld an den bisherigen Pächter Müller.
Eine solche Zerreissung des Grundbesitzes wäre in früherer Zeit
nicht möglich gewesen, denn früher durfte von einem Grundstück
nur mit behördlicher Konzession etwas abgetrennt werden. Den Gasthof
selbst verkaufte der Stollberger Kreditverein im Jahre 1874 an Bock aus
Oberlungwitz, der 1878 noch 15 Scheffel Feld an die Ziegelei abtrat und
dann den Gasthof, für den nur noch der Grasgarten und etwa 4 Scheffel
Feld übrig geblieben waren, an Wagler weiter verkaufte. Nach Wagler,
der ihn nur zwei Jahre (1878-1880) im Besitz hatte, trat Moritz Großer
als Besitzer auf, nämlich 1880-1884. Dieser besaß zugleich auch
das ehemals Gottfried Künzel'sche Gut (Nr. 41 ??), er nahm von diesem
Gute 22 Scheffel Feld und fügte sie der Gasthofswirtschaft wieder
zu. Freilich trenne er nun den Gasthof endgültig von der Gutswirtschaft
ab, indem er den Gasthof verkaufte und nur das Gut allein behielt, welches
er später gegen ein Gut in Rußdorf eintauschte. Auf diese Weise
wurde aus dem einstigen 1/4 Hufengut ein dreifaches: der Gasthof (Nr. 61),
die Gutswirtschaft mit dem neuen Felde (Nr. 61 c) und die Ziegelei (Nr.
62). Doch sprechen wir zunächst vom Gasthof. Großers Nachfolger
als Gastwirt war Anke, der am 13. Januar 1885 seinen Einzugsschmaus hielt.
Er baute einen Backofen und begründete damit die noch heute im oberen
Gasthof bestehende Bäckerei. Lange hat auch Anke den Gasthof nicht
behalten, denn 1888, freilich nur auf ganz kurze Zeit, tauchte Ullrich
als Besitzer auf, und gleich nach ihm Günther (Juli 1888). Dieser
setzte wieder Pächter ein, so z.B. Eichler (1891), Wenzel (1893).
Im Jahre 1897 verkaufte er den Gasthof an Peter, auf den schon ein Jahr
später, 1898, Lindner folgte. Mit diesem Besitzer traten wieder stabile
Verhältnisse ein. Günstig wirkte sich vor allem die Eröffnung
der Eisenbahnhaltestelle am 1. Mai 1896 aus, denn nunmehr war die Fahrkartenausgabe
mit dem Gasthof verbunden und seit dem 1. August 1904 auch die Abfertigung
des Stückgutverkehrs. Der Gasthof blieb nun im Besitz der Familie
Lindner, denn auf Lindner selbst folgte 1908 sein Schwiegersohn Kretzschmar,
und als dieser 1921 starb, dessen Frau Anna verw. Kretzschmar, die Tochter
Lindners (gest. 1961). Der obere Gasthof stand in den sechziger und siebziger
Jahren in schöner Blüte, regelmäßig hielt er Tanzmusik
ab, alljährlich auch ein Vogelschießen, und auch die Turner
hatten in damaliger Zeit dort ihren Turnplatz, nämlich an jener Stelle
wo heute die Gebäude des Gutes Nr. 61 C stehen; am Turnplatz längs
der Straße befand sich eine Kegelbahn. Man suchte den oberen Gasthof
gern auf, zumal Bock im Jahre 1874 den Saal vergrößerte, dagegen
war damals für den unteren Gasthof eine ruhige Zeit. Das Vogelschießen
war damals ein Volksfest, das der Wirt veranstaltete. Die Berechtigung
dazu hatte der damalige Amtmann Friedrich erteilt mit den Worten: "So lange
der Gasthof steht, besteht mit ihm auch das Vogelschießen". Dennoch
brachten es die Zeiten anders mit sich. Auch in späteren Jahren hat
der obere Gasthof noch öfter sein Vogelschießen abgehalten,
zuletzt 1893 und 1899, aber dann überlebte sich dieses Vergnügen
allmählich. Auf dem damaligen Schützenplatze steht heute die
Fabrik von Lorenz Nr. 62 E. Geschossen wurde mit Bolzen nach einem Vogel
aus Holz, der an einer hohen Stange befestigt war. Dabei ereignete es sich
1875, daß ein Junge von einem abirrenden Bolzen am Kopfe verletzt
wurde, so daß beinahe das schöne Fest untersagt worden wäre
uznd nur nach getroffenen Sicherheitsmaßregeln am Nachmittag wieder
gestattet wurde. In den späteren Jahren verstand es dann Julius Eckert
durch seine Erneuerung des unteren Gasthofes, den Verkehr mehr nach dort
zu ziehen, so daß der obere Gasthof allmählich von seinem vorherigen
Glanze einbüßte.
Das Postwesen im 19./20. Jahrhundert
Das ereignisreiche Jahr 1889 brachte noch eine andere wichtige Neuerung,
und zwar im Postwesen. Bis dahin nämlich war Mittelbach ein Landbestellbezirk
des Postamtes Grüna. Am 1. April 1889 jedoch erhielt es eine eigene
Postagentur. Als Postagent wurde Oskar Türk berstellt, in dessen Hause
Nr. 17 sich auch die für den Postverkehr notwendigen Räme fanden.
Als am Eröffnungstage morgens die erste Post aus Grüna eintraf,
wurde sie mit Musik empfangen und vor dem Eingange zur Postagentur mit
einer Ansprache begrüßt. Die Beförderung des Postgutes
zwischen Mittelbach und Grüna besorgte ein Briefträger mit Handwagen.
Später, als der paketverkehr durch das Aufblühen der Industrie
erheblich zunahm, genügte dies freilich nicht mehr. Es mußte
ein Pferdegespann eingesetzt werden.
Seit Januar 1929 aber brachte ein Postauto aus Chemnitz die Postsachen
der Gegend jeden Abend direkt nach Chemnitz zum Bahnpostamt, es verkehrte
regelmäß bis März 1945 wo infolge des zunehmenden Bombenkrieges
alle postalischen Verbindungen allmählich lahmgelegt wurden. Die eingehende
Post wurde anfangs in zwei Briefaustragungen bestellt, später kam
noch eine dritte hinzu (mittags), die aber 1914 bei Ausbruch des Krieges
wieder wegfiel. Bei dem Beamtenabbau 1922 wurde auch die Nachmittagaustragung
eingestellt, so daß es seitdem nur bei einer blieb.
Der Postagent Türk konnte am 1. April 1929 sein 40. und am 1.
April 1939 sogar noch sein 50. Dienstjubiläum in voller Rüstigkeit
feiern. Er legte aber sein Amt dann bald nieder. Auch die Räume hatten
sich für die immer mehr gesteigerten Anforderungen als zu klein erwiesen,
daher siedelte der Postbetrieb am 1. Oktober 1942 in die neuen Räume
im Hause 20 B gegenüber dem Rathaus über, in denen vordem sich
das im Kriege eingegangene Rathaus-Kaffee (seit 1828) befunden hatte.
Die Freiwillige Feuerwehr
Im Jahre 1878 wurden mehrere neue Häuser gebaut, darunter auch von
Friedrich Böhm ein Wohnhaus mit Scheune am wüsten Viertel beim
Landgraben. Es ist jetzt das Gehöft Nr. 158.
Am 1. April 1878 brannten im oberen Dorfe Wohnhaus und Scheune vom
Vogel'schen Gute ab, die Gebäude wurden schon im Juli wieder aufgesetzt.
Dieses Feuer bildete die Veranlassung dazu, daß sich 20 Mann zusammenfanden
und die "freiwillige Feuerwehr" gründeten (21. April).
Diese bekam auch bald reichlich Gelegenheit, sich zu betätigen,
erst beim schon erwähnten Brand des Karte'schen Gute Nr. 20, dann
am 23. März 1881, als das Haus von Dienegott Köhler, Nr. 102,
abbrannte. Aber es folgten bald weitere Feuerbrünste. So gingen am
3. März 1883 abends in der zehnten Stunde die Gebäude vom Beyer-Gut,
Nr. 29, in Flammen auf. Dieses Gut stand bis dahin dicht neben dem jetzigen
Pfarrhause, also der Kirche gegenüber, an der Stelle des heutigen
Doppelhauses. Noch im gleichen Sommer wurde das Gut neu errichtet, jedoch
auf der Höhe hinter dem Friedhofe. Heute ist es das Beigut zum Lehngericht.
Ferner brannte am 12. November 1884 beim Begüterten Gläser, Nr.
11, Scheune und Seitengebäude ab, das Wohnhaus blieb erhalten. Dabei
versuchte man auch einen Spiegel zu retten, den man einfach zum Fenster
herunterwarf, das Glas ging dabei natürlich in Splitter. Schließlich
legte am 14. November 1887 ein Feuer beim Schmied Anton Neubert, Nr. 89,
die erst 1856 erbaute Scheune in Asche.
Industrie in Mittelbach
Die Ziegelei bestand aus einem Wohnhause, aus dem Brennofen und aus drei
Ziegelscheunen, beschäftigte mehrere Leute und belieferte die ganze
Umgegend mit Ziegeln. Als die Ziegelbereitung in ihrer Technik durch Einführung
neuer Maschinen immer mehr vervollkommnet wurde, konnte diese Ziegelei
mit ihren "Handziegeln" nicht mehr bestehen und ging als solche ein. Die
eine Ziegelscheune verschwand vollständig, die beiden anderen wurden
zu Wirtschaftsscheunen umgebaut. Dort aber, wo sich einst der Brennofen
befand, steht jetzt das Haus Nr. 62 D. Nach dem Einstellen des Ziegeleibetriebes
wechselten auch oft die Besitzer, die Felder verwahrlosten, so schwand
das Vertrauen zu einem solchen Besitz. Im Jahre 1904 kaufte Emil Lasch
dieses Besitztum; er brachte die von Unkraut überwucherten Felder
wieder in ertragfähigen Zustand und verstand es, das Anwesen, das
er noch heute besitzt, wieder zu heben.
Eine zweite Ziegelei befand sich im unteren Ortsteile, auf dem Grundstück
des Gutes Nr. 8, ihr Besitzer war Ferdinand Türk. Sie stand im ersten
Grund, seitwärts vor jenem Teich, von dem aus der Mühlgraben
nach der damaligen Schettlermühle lief. Sie wurde 1855 von Türk
errichtet und bestand aus einem Wohnhaus, Nr. 155, mit angebautem Brennofen
und zwei Ziegelscheunen. Sie beschäftigte ebenfalls mehrere Leute
und lieferte ebenfalls die Ziegel zum Bau der Schächte. Sie bestand
nur etwa 25 Jahre und verschwand wieder um das Jahr 1880 aus dem gleichen
Grunde wie die Ziegelei beim oberen Gasthofe. Von ihr ist heute ebenso
wenig zu sehen wie vom Mühlgraben und der Mühle.
Kirchengeschichte in Mittelbach
Wenden wir unser Augenmerk nun ... einmal der Kirche zu. Zunächst
war Luthers 400. Geburtstag auch in Mittelbach in würdiger Form gefeiert
worden, und zwar am 10. und 11. November 1883. Dabei war rechts am Eingange
zum Friedhof eine Linde, die Lutherlinde, gepflanzt worden, wobei der Geistliche
eine Ansprache hielt. Dann erklang der Choral "Ein feste Burg ist unser
Gott". Die Linde ging leider im folgenden Jahre ein. Ferner wurde am 1.
April 1884 das Morgenläuten eingeführt; im Sommer um 6 Uhr, im
Winter um 7 Uhr. Am Palmsonntag (18. April 1886) beim Abendgottesdienst
mit Abendmahlfeier wurden zwei neue Kirchenleuchter eingeweiht, die man
für 80 Mark hatte aus Leipzig kommen lassen. Eine wichtige Veränderung
aber brachte das Jahr 1889. War bis dahin Mittelbach ein Filial von Reichenbrand
gewesen, so wurde mit dem 1. Januar 1889 Mittelbach zu einer selbständigen
Parodie erhoben, erhielt nunmehr also seinen eigenen Pfarrer. Die Hilfsgeistlichen,
die noch zuvor von Reichenbrand aus den Gottesdienst in Mittelbach versahen,
hatten in den letzten Jahren öfters gewechselt, so folgten auf Diakonus
Brödel 1883 Wolf (1883-1884), Diakonus Hohlfelt (1884-1888), Diakonus
Rein (1888-1889). Wer war nun der erste selbständige Pfarrer von Mittelbach?
Drei Bewerber wurden zur Wahl gestellt und hielten ihre Probepredigten,
nämlich Gerisch aus Bräunsdorf am 13. Januar, Hüttner aus
Dresden am 20. Januar und Vikar Müller am 27. Januar. Die Wahl fiel
auf den zweiten Bewerber und so wurde Hüttner zum ersten Ortsgeistlichen
gewählt. Am 27. Februar 1889 hilet er seinen Einzug und wurde mit
Wagen vom Bahnhof Siegmar abgeholt, am Eingange des Dorfes vom Gemeindevorstand
und am Eingange zur Schule, wo er einstweilen Wohnung nahm, vom Kirchenvorstand
begrüßt. Abends fand ihm zu Ehren ein Komers statt. Am 4. März
wurde er in sein Amt eingewiesen. Der Pfarrer Koch aus Reichenbrand, dessen
Amtstätigkeit für Mittelbach nun erlosch, hatte bereits am 24.
Februar seine Abschiedspredigt gehalten, sein Hilfsgeistlicher, Diakonus
Rein, der später Pfarrer in Reichenbrand wurde, bereits am 17. Februar.
Der Pfarrer Hüttner blieb nur sechs Jahre in Mittelbach, er ging 1895
nach Jöhstadt. Seine Nachfolger waren die Pfarrer Auerswald (1895-1902),
Schmalz (1902-1908), Hartung (1908-1926) (er starb am 30. Dezember 1926)
und Kupfer (1928-????).
sonstige Ereignisse, Wetterunbilden, Unglücke
und Katastrophen
Am 26. Februar 1879 fiel so viel Schnee, daß am Landgraben der Lugauer
Kohlenzug stecken blieb. Man mußte erst Leute holen, den Schnee zu
beseitigen, bevor der Zug seine Fahrt fortsetzen konnte.
Am 16. Februar 1880 wurde Reibetanz als dritter Lehrer in sein Amt eingewiesen,
der bisherige dritte Lehrer Donner ging nach Lommatzsch.
Am 25. Juni 1881 nachts erschien am nördlichen Himmel ein Komet
mit silberweißen Streifen. Ein anderer Komet war in den Morgenstunden
des 8. bis 12. Oktober 1882 am östlichen Himmel zu sehen.
Im Sommer 1881 wurde eine Verbindung zwischen dem oberen Ende des Dorfweges,
der bei den Häusern Nr. 73 und 74 in einen toten Punkt auslief, und
der Landstraße geschaffen; dieses neu geschaffene Wegstück wurde
am 2. Januar 1882 feierlich dem Verkehr übergeben. Im Herbst 1881
ließ der Gemeindevorstand C.F. Vieweg vom Quellengebiet des damals
Rother'schen Gutes Nr. 41 aus eine Wasserleitung in eisernen Röhren
nach seinem neu erbauten Haus Nr. 17 C legen. Diese Leitung wurde später,
mit der im Jahre 1914 eingerichteten allgemeinen Wasserleitung vereinigt.
Der Gemeindevorstand Carl Friedrich Vieweg übergab am 14. Mai 1882
das Standesamt an Rudolf Neubert, damals bekannt unter dem Namen "der Schütz".
Dieser hat das Standesamt nur 2 1/2 Jahre verwaltet, denn am 1. Dezember
1884 übernahm es der neue Gemeindevorstand, Lehngerichtsbesitzer G.A.
Otto, wieder mit in die Gemeindeverwaltung. Dieser war am 1. Januar 1884
als Gemeindevorstand der Nachfolger von C.F. Vieweg geworden, der sein
Amt neun Jahre verwaltet hatte.
In der Sandgrube des Kunz'schen Gutes Nr. 32 verunglückte am 1.
August 1883 nachmittags die 17-jährige Dienstmagd. Sie wurde von einer
einstürzenden Sandschicht verschüttet und getötet. Ein anderer
bedauerlicher Unfall mit tödlichem Ausgange ereignete sich am 26.
Mai 1886 abends in der achten Stunde, als einem Mehlfuhrmann beim Bahnübergange
die Pferde durchgingen, wobei ein zufällig mitfahrender 30 jähriger
Mann aus Neustadt vom Wagen fiel und unter die Räder kam. Er wurde
schwer verletzt ins Armenhaus gebracht und starb nach einigen Stunden.
Eine von Ursprung kommende Windhose beschädigte am 30. April 1887
den Giebel einer Scheune beim oberen Gasthofe.
Mitte Oktober des Jahres 1890 wurde das Kabel Dresden-München durch
Mittelbach gelegt. Aus diesem Anlaß tauchten viele Erdarbeiter auf,
meist aus Polen, Schlesien oder Böhmen.
Bei dem Begüterten Müller, Nr. 141, brannte am 15. Juni 1891
und bei Julius Berger, Nr. 8, am 21. Februar 1892 die Scheune nieder.
Wird fortgesetzt !!!!
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© h.kreil 1998