Mittelbach - ein kleiner Ort am Rande des Erzgebirges

Auszüge aus der Festschrift anläßlich der 650-Jahr-Feier im Jahre 1981


1. Die Entstehung von Mittelbach

Das Gebiet unserer engeren Heimat ist mit großer Wahrscheinlichkeit bis ins 6. Jahrhundert unbesiedelt gewesen. Erst um diese Zeit drangen zunehmend Siedler von Osten her in die Gegend vor. Sie nahmen jedoch keinen festen Wohnsitz, weil die Wälder nahezu undurchdringlich und der Boden sumpfig waren. Ihr Aufenthalt läßt sich heute an einer Reihe geographischer Bezeichnungen nachweisen, die von den späteren deutschen Siedlern übernommen wurden. Namen wie Chemnitz (Steinbach), Pleißa (Sumpf, Teich), Würschnitz, Zwönitz und Oelsnitz sind rein slawischer Abstammung.
Unser Raum wurde indessen schon damals von Handelswegen durchquert. Neben dem Hauptweg von Merseburg über Altenburg, Chemnitz nach Prag führten schon Saumpfade über das heutige Totensteingebiet. Auch von Altenburg über Wüstenbrand, Jahnsdorf, Thum ins Böhmische soll ein Weg bestanden haben. Allmählich drängten die deutschen Stämme jedoch weiter ostwärts. Die Gründung der Burg Meißen (929) war dabei eine wesentliche Stütze für die Expansionsbestrebungen. Durch den Sie König Heinrich I. über den Stamm der Daleminzier wurden die Slawen dieser Gegend unterworfen und der Oberhoheit des deutschen Kaisers unterstellt. Die Undurchdringlichkeit dieses urwaldähnlichen Gebietes hatte zur Folge, daß nachgeborene Bauern- und Rittersöhne im deutschen Altland kein eigenes Land und damit keine Existenz besaßen, nutzten die deutschen Feudalherren und bote ihnen Land zur Rodung und Nutzung in diesem Gebiet zwischen Mulde und Chemnitz an.

Mittelbach unter verschiedenen Herrschaften

Die Besiedelung unserer Gegnd war eine Auswirkung des Bestrebens, das Deutsche Reich nach Osten auszuweiten. Der Boden wurde den Markgrafen zu Lehen gegeben und blieb Eigentum des Kaisers. Dieser setzte Ritter ein, die das Land verwalten mußten (Reichsministeriale). In unserem Heimatgebiet war es die Herrschaft von Wartha, die sich nach der Gründung einer Burg in Waldenburg die "Herrschaft von Waldenburg" nannte. Ihnen wurden Ämter und Güter als Lehen übertragen. Sie stiegen dadurch in den Rang des niederen Adels auf und übten Gerichtsbarkeit und die Vogtei über das Gebiet aus. Darunter versteht man die Schutzherrschaft über Kirchen und Klöster und die den Klöstern gehörenden Dörfer und Güter. Die Burg Rabenstein, die bis 1375 Waldenburg unterstellt war, ist ebenfalls als Herrschafts- und Verwaltungszentrum gegründet worden. Durch die Schwächung des Einflusses des deutschen Kaisers erhielten diese Adligen immer mehr Selbständigkeit und Macht. Mittelbach hat mit großer Wahscheinlichkeit von Anfang an der Herrschaft Rabenstein gehört, muß aber bald dem Chemnitzer Kloster unterstellt worden sein. Denn als die Herrschaft Rabenstein im Jahre 1375 von Waldenburg an das Kloster verkauft wurde, wird Mittelbach dabei nicht erwähnt. Es war schon Klosterdorf.
Im Jahre 1541 wird das Chemnitzer Kloster im Rahmen der Überführung geistliche Besitzes in weltlichen aufgelöst, und die umliegenden Dörfer wurden der Stadt "lehn- und zinsbar". 1546 wurde Mittelbach kurfürstliches Amtsdorf der Wettiner. Auch die Ober- und Niedergerichte stehen dem Amte Chemnitz zu. Lediglich ein "Rittergut" wird 1548 für Mittelbach zugelassen. Wirtschaftlich wurde unser Ort der Grundherrschaft Rabenstein (Rittergut) unterstellt, dem es nun über die nächsten Jahrhunderte dienstbar blieb. Abgaben und Dienstleistungengegenüber den Feudalherren waren seine alltäglichen Begleiter. Kirchlich wurde die gemeinde als Filialkirche Reichenbrand zugeordnet und erhielt erst 1889 eine eigene Pfarrkirche.

Chronologische Übersicht und Zahlenangaben

1331 Erste urkundliche Erwähnung
1375 Bau einer hölzernen Kapelle 
1510-1512 Kirche erhält einen Flügelaltar
1524  Bauernerhebung in der Umgebung
1539  Auflösung des Chemnitzer Klosters
1548  Mittelbach wird Amtsdorf der Wettiner
1632  Erster Unterrich im Ort 
1729  Beginn der Strumpfwirkerei
1836  Abschaffung der Frondienste
1848  Aufstand gegen den Fürsten von Schönburg-Waldenburg
1858  Eisenbahnlinie Wüstenbrand - Würschnitz eröffnet
1860-1863  Schürfung im Mittelbacher Schacht 
1876  Bau der Schule 
1889  Postagentur
1899  Stromanschluß
1908  Bau des Rathauses und der Turnhalle
1911-1920  Bau der Wasserleitung 
1915  Gasanschluß
Entwicklung der Einwohnerzahlen
 
1537  34 besessene Mannen, 13 Häsler, 59 Inwohner 
1764  34 besessene Mannen, 22 Häsler 
1819  600 Einwohner
1834 997 Einwohner
1849 1443 Einwohner
1855 1594 Einwohner
1871 1762 Einwohner
1890 2116 Einwohner
1910 2322 Einwohner
1925 2410 Einwohner
1939 2514 Einwohner
1945 2878 Einwohner
1946 2643 Einwohner
1971 2150 Einwohner
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